Wer sind diese Kinder?

100’000 betroffene Kinder

Es wird geschätzt, dass in der Schweiz rund 100’000 Kinder in einer Familie leben, in der ein Elternteil alkoholabhängig ist. Hinzu kommt eine unbekannte Zahl von Kindern, deren Eltern von einer anderen Sucht betroffen sind.

Sucht, eine Krankheit, die die ganze Familie betrifft

Wenn ein Elternteil alkoholabhängig ist, leidet die ganze Familie darunter: die betroffene Person, aber auch der/die PartnerIn, sowie die Kinder.

Für die Kinder bedeutet dies oftmals, dass das Familienklima angespannt, konfliktbeladen und unberechenbar ist. Sie sind täglich mit Angst, Scham, Schuldgefühlen, Unsicherheit und nicht zuletzt mit Isolation konfrontiert.

Eine Kindheit im Schweigen

Kinder aus suchtbelasteten Familien lieben ihre Eltern und wollen ihnen keinen Schaden zufügen. Deshalb wird die familiäre Situation meist geheim gehalten und die Kinder tragen die Last dieses Geheimnisses während der ganzen Kindheit. Ihr Leiden wird oft nicht anerkannt.

Auswirkungen auf das ganze Leben

Kinder von alkoholabhängigen Eltern stellen eine besondere Risikogruppe dar, später selbst eine Sucht oder eine psychische Erkrankung zu entwickeln. Im Vergleich zu Kindern aus Familien, die keine Suchtproblematik aufweisen, haben Kinder von alkoholabhängigen Eltern ein sechsmal höheres Risiko eine Sucht oder eine psychische Erkrankung zu entwickeln.

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Schutzfaktoren

Egal wie alt die Kinder sind, Kinder von alkoholabhängigen Eltern brauchen Unterstützung. Folgende Schutzfaktoren konnten identifiziert werden:

  • Mit einer Vertrauensperson sprechen, die ihr Leid anerkennt
  • Eine stabile Beziehung zum nichtabhängigen Elternteil oder einer anderen erwachsenen Vertrauensperson besitzen
  • Ein strukturierter Tagesablauf (z.B. für Mahlzeiten) und familiäre Rituale (Feste, Aktivitäten) haben
  • Ein gutes Selbstbewusstsein aufweisen
  • Persönliche Interessen ausbauen und eigene Pläne schmieden

Das Tabu brechen

Suchtprobleme innerhalb der Familie stellen immer noch ein Tabuthema dar. Um den Kindern zu helfen das Schweigen zu brechen und ihr Leiden zu verringern, muss auch das Tabu gebrochen werden. Wir sind alle dafür verantwortlich, ein soziales Klima zu schaffen, welches es den Eltern, Angehörigen und betroffenen Kinder ermöglicht, Hilfe und Unterstützung zu finden.

Jeder kann etwas bewirken

Jeder hat womöglich in seinem privaten oder professionellen Umfeld ein Kind, welches mit einem alkoholabhängigen Elternteil lebt. Als nahestehende Person, Onkel, Tante, Grosseltern, NachbarIn, Lehrperson, ErzieherIn, Arzt usw. können wir alle helfen, das Schweigen zu brechen !

Wie kann man einem Kind von alkoholabhängigen Eltern als Vertrauensperson zur Seite stehen?

Die betroffenen Kinder brauchen einen sicheren Rahmen. Es ist für sie zentral, eine erwachsene Person zu haben, der sie vertrauen können und an die sie sich bei Bedarf wenden können. Das andere Elternteil kann diese Rolle manchmal übernehmen, aber ebenso wichtig sind andere Familienmitglieder (Grosseltern, Onkel, Tante, usw.) oder eine weitere erwachsene Person (Lehrperson, usw.).

  • Bauen Sie zuerst eine vertrauensvolle Beziehung zum Kind auf
  • Erklären Sie dem Kind, dass die Alkoholabhängigkeit eine Krankheit ist
  • Sagen Sie ihm, dass es keine Verantwortung trägt, dass seine Mutter oder sein Vater trinkt
  • Stärken Sie sein Vertrauen und seine Selbstachtung
  • Richten Sie einen strukturierten Lebensrahmen ein: fixe Mahl-, und Schlafzeiten, Rituale
  • Geben Sie ihm Aufmerksamkeit: Interessieren Sie sich für ihn, was es tut, nehmen sie die Mahlzeiten gemeinsam ein
  • Ermutigen Sie das Kind Freizeitaktivitäten zu betreiben
  • Bereiten Sie es auf Notfälle vor
  • Versuchen Sie es zu vermeiden, dass das Kind in gefährliche und angsteinflössende Situationen gerät